Auf Droge durch`s Angstland zum Vagus. Meine ganz persönliche Geschichte …

Auf Droge durch`s Angstland zum Vagus. Meine ganz persönliche Geschichte …

Oder: wie geht Emotionsregulation?

Angst und Depressivität sind teilweise veranlagt. Unsere Gene und Erfahrungen beeinflussen unsere Vulnerabilität in Bezug auf die Anfälligkeit für Ängste und Depressionen.

In dieser Hinsicht vulnerable – also verwundbare – Menschen besitzen eine geringere Widerstandsfähigkeit gegenüber negativen Einflüssen. Wenn wir zu denen gehören, die ihre Empfindlichkeit gegenüber Stress schon früh mit auf den Weg bekommen haben und sie zusätzlich auch noch von uns nahen Menschen vorgelebt wurde, dann ist es für uns wichtig, unser Nervensystem auf eine gute und sinnvolle Weise regulieren zu können. Wer darüber hinaus Traumatisches erlebt hat, profitiert besonders von dieser Fähigkeit!

Ich habe schon als Kind gespürt, dass es mir gut tut, beruhigende Klänge zu hören. Und es war für mich auch als Kind gefühlt schon kein Problem, alleine vor mich hin zu spielen. Am liebsten habe ich Höhlen gebaut, in die ich mich verkriechen konnte. Ob aus Decken oder im Winter aus Schnee. Ich mochte das Gefühl, abgepuffert von der Außenwelt mit seinen vielen Reizen zu sein. Die einzige, die da mit hinein durfte, war meine Hündin Dina.

Es war mir gleichzeitig immer ein großer Spaß, mit Freunden zu spielen und albern sein zu können. Nur brauchte ich danach den Ausgleich und habe ihn mir auch auf natürliche Weise genommen.

Im meiner Jugend begannen dann erste Anzeichen von Depressivität.

Da es niemanden in meinem Umfeld gab, der mir konstruktive Wege zum Umgang mit diesen starken Gefühlen aufzeigen konnte, habe ich angefangen mein Nervensystem schon früh mit Marihuana zu beruhigen.

Das war natürlich nicht der konstruktivste Weg. Heute weiß ich, dass unser Gehirn diese Lösung aber erst einmal ganz praktikabel findet, weil es im Rausch nicht mehr so sehr über Probleme nachdenken muss. Es ist dankbar für jeden Weg, über den es Energie einsparen kann. Und Grübeln kostet reichlich Energie. Über die Folgen macht sich unser Gehirn erst einmal keine Gedanken.

Während mein Gehirn mit der Rauschantwort einigermaßen zufrieden schien, hat mein Gesamtsystem angefangen immer lauter zu rebellieren.

1996 – ich war 23 Jahre – bekam ich meine erste ausgeprägte Panikattacke, während mein Körper dabei war viel zu viel Marihuana zu verarbeiten. In dem Moment gab es für mich nur zwei gefühlte Realitäten:
entweder ich sterbe oder werde verrückt!

Das war so eine Erfahrung, die man am liebsten als ein einmaliges Ereignis in seinem Leben verbuchen möchte.
Weit gefehlt!

Hier begann meine Reise durch Angst-Land erst richtig.

Drogen wurden Fluch und Segen zugleich. Einerseits musste ich mich von ihnen lösen, weil dieser Rausch zu stark mit der heftigen Panikattacke assoziiert war. Andererseits kannte ich keine brauchbare Alternative, mein System zu beruhigen. Ich fühlte mich in dem Teufelskreis gefangen, den man getrost als Sucht bezeichnen kann.
Bis es dann in die Klinik ging – und ich danach zwar nicht mehr kiffte, aber den Alkohol als Angstlöser entdeckte. Wieder war es nicht die beste Entdeckung meines Lebens. Das erkannte ich glücklicherweise verhältnismäßig schnell.

Psychotherapie wurde ein treuer Begleiter und Pläne für mein „Wunschleben“ jäh durchkreuzt.

So übte ich mich in Akzeptanz und Demut dem Leben gegenüber. Immer auf der Suche nach Lösungen für meine vertrackte Situation! Dabei bin ich oft gestolpert und genauso oft wieder aufgestanden. Und so sehr ich mich auch manchmal für mich selbst geschämt habe, so sehr bin ich heute dankbar und auch ein bisschen stolz, meinen Weg bisher so gut gemeistert zu haben.

Deshalb schreibe ich diesen Blog!
Gleichgültig in welcher Krise du steckst. Ob du sie groß oder klein nennst:
es gibt eine Fülle an hilfreichen Möglichkeiten, da besser durch zu kommen!
Das Herausfinden und Aktivieren deiner Ressourcen macht dich vielleicht nicht heil – aber ganz sicher zufriedener! Das Gefühl von SELBSTwirksamkeit holt dich aus der OPFERrolle und macht dich zur MitGESTALTERIN deiner Situation!

Nach all den Jahren hat sich für mich bestätigt, was ich als Kind schon gefühlt habe.

Wenn wir lernen uns selbst auf konstruktive Weise – und eben nicht über Drogen – zu regulieren, öffnet sich das Tor in Richtung Selbstheilung.

Und wenn ich meinen Blog „Selbstglück“ nenne, so übertreibt dieser Titel nicht. Denn für mich war und ist es das größte Glück meines Lebens, wieder selbst-wirksam sein zu können. Und zwar auf eine konstruktive Weise!

Es mag pathetisch klingen: aber ich glaube, mir hat dieser Weg mein Leben gerettet!

Anstatt mich meinen Genen und Prägungen ausgeliefert zu fühlen und nur noch irgendwie zu re-agieren, ist es ein gutes Gefühl, das Lenkrad wieder selbst in die Hand zu nehmen!

Nach all den Jahren hat sich für mich bestätigt, was ich als Kind schon gefühlt habe.

Für mich liegt der wichtigste Schlüssel im Nervensystem! Und zwar im Nervus Vagus!

Der Nervus Vagus wird auch als „Ruhenerv“ bezeichnet. Er ist der 10. von 12 Hirnnerven und verläuft vom Gehirn bis in den Bauchraum und versorgt unsere wichtigsten Organe wie das Herz, Zwerchfell, den Darm und einige mehr.

Der griechische Arzt Claudius Galen (130-200 n. Christi) entdeckte den Nervus Vagus als Erster.

Als er Gladiatoren, Affen und Schweine untersuchte, stellte er einige Funktionsstörungen bei Ihnen fest, wenn der Nervus Vagus durchtrennt war.

Seitdem ist er Medizinern und Psychologen bekannt. Später kam dann immer mehr Licht ins Dunkle des Nervensystems. Es wurde herausgefunden, dass es ein autonomes Nervensystem gibt, welches aus dem sympathischen- und dem parasympathischen Teil besteht.

Grob kann man sagen, dass unser Parasympathisches Nervensystem für die Entspannung verantwortlich ist, während unser Sympathisches Nervensystem die Handlungsenergie für verschiedene Anforderungen des Lebens aktiviert.

Um die Funktion anhand eines Bildes zu verdeutlichen, können wir uns ein Auto vorstellen, dessen Gaspedal der Sympathikus und dessen Bremse der Parasympathikus darstellt. Und wenn wir uns unser Leben als eine lange Autofahrt vorstellen, dann wissen wir, dass es ohne funktionierende Bremse schwierig werden kann, unfallfrei durch zu kommen. Wir müssen manchmal Gas geben, wir müssen mal auf die Überholspur und wir müssen manchmal bremsen.

Auf das Gaspedal können wir alle meist mit viel Druck treten um gut voran zu kommen. Im Bremsvorgang liegt die Kunst. Denn nicht alles, was wir als Entspannung verstehen empfindet unser Nervensystem auch so.

Der Nervus Vagus ist unser Regenerationsnerv.

Wenn der Sympathikus Gas geben möchte, wird die Aktivität des Nervus Vagus runter gefahren. Und da wir viel zu oft auf der Überholspur unterwegs sind, rebelliert jedes System irgendwann, weil es sich regulieren will und muss, um uns am Leben zu erhalten. Nicht selten bahnen sich dann alle möglichen Krankheiten ihren Weg.

Wie können wir unseren Regenerationsnerv effektiv stimulieren?

Auch wenn das Autonome Nervensystem selbständig und ohne unser Zutun so großartige Arbeit leistet, so haben wir doch Möglichkeiten Einfluss zu nehmen!

Über den Körper!

Das autonome Nervensystem ist durch uns beeinflussbar.
Indem wir körperlich das tun, was der Körper machen würde, wenn wir entspannt sind!

Die beste Regulatorin stellt hier die Atmung dar!

Im Stress atmen wir flach und unregelmäßig.

Im entspannten Zustand – denken wir nur an die Atmung im Schlaf – atmet unser Körper tief und regelmäßig. Und da können wir ansetzen unser System zu beeinflussen.

Man kann es sich so vorstellen, dass unser Gehirn bei allen möglichen Aktivitäten die Anweisung gibt, den Sympathikus zu aktivieren, um Handlungsenergie zur Verfügung zu stellen.

Wenn wir unserem Gehirn aber über unseren Körper signalisieren, dass er im Ruhemodus ist, beruhigt sich auch das limbische System in unserem Gehirn.

Im limbischen System werden unsere Emotionen verarbeitet und bei „Gefahr“ springt es an und löst eine Stressreaktion aus.

Wenn wir unsere Atmung regulieren, regulieren wir gleichzeitig unseren Herzschlag. Und diese beiden Organe beruhigen unsere „Stress-Produktions-Zentrale“ in unseren Köpfen, weil alle miteinander in Resonanz gehen.

Allein durch eine langsame und tiefe Bauchatmung nehmen wir schon positiven Einfluss auf unseren Nervus-Vagus.

Diese Atem-Übung sorgt dafür, dass sich dein System über bewusste Atmung reguliert:
Sofort entspannt durch diese einfache Atemübung!

Noch besser ist aber eine ganz bestimmte Atem-Meditation: die kommt demnächst : )

Ich bin so fasziniert von dem Wunderwerk Körper-Geist-System – zu dem natürlich auch die Seele gehört!

Wir haben so viele Möglichkeiten unseren Ressourcen-Reichtum zu erweitern, indem wir uns dieses Wissen aneignen. Und am tollsten ist doch die Möglichkeit, diese Ressourcen SELBST anzapfen zu können, um unser Leben SELBSTwirksam wieder lebenswerter zu gestalten, wenn die Fahrt mal wieder durch`s Angstland geht.

Sinnvoll ist es, wenn wir unser Nervensystem im Alltag immer und immer wieder durch die Atmung zu regulieren üben. Vor allem dann, wenn es uns gut geht. Dann fällt es in akuten Stresssituationen leichter, auf die wertvolle Ressource zurückgreifen zu können!

Ich habe diese wunderbare Möglichkeit so oft im Lauf der hektischen Zeit verloren. Bis ich kürzlich selber wieder von meinem System daran erinnert wurde, wie wichtig diese Form der Selbstfürsorge ist.

Nun atme ich wieder täglich so oft es geht – bewusst!

Wer sich eingehender mit dem Thema beschäftigen möchte, dem sei das Buch
„Der Selbstheilungsnerv“ von Stanley Rosenberg ans Herz gelegt.
Neuere Erkenntnisse besagen nämlich, dass es – vereinfacht dargestellt – zwei Vagus-Stränge gibt, deren Aktivierung unterschiedlich wirkt. Dazu schreibe ich demnächst nochmal einen ausführlicheren Beitrag.

Wichtig ist im Moment, dass du ein Wissen darüber hast, wie du Einfluss auf dein autonomes Nervensystem und insbesondere den Vagus-Nerv nehmen kannst.

Atme tief in deinen Bauch!

Atme länger durch die Nase aus als ein!


Beobachte, wie sich dein Nervensystem verhält.

Wirst du ruhiger? Entspannter?

Dann hast du dich gerade selbstwirksam ein kleines bisschen glücklicher gemacht!

Freude und viele gute neue Erkenntnisse wünscht dir

Dein Selbstglück ♡

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